Digital Leadership

Wann werden Roboter unsere Chefs?

„Ist Ihr Gegenüber eine KI oder eine Führungskraft aus Fleisch und Blut?“ So könnte die Frage eines abgewandelten Turing-Tests vielleicht bald lauten. Ob wir dann die Verantwortung für unsere Organisationen und unsere Zukunft an eine Künstliche Intelligenz abgeben, erscheint uns von LEAD2gether fraglich. Fairerweise müssen wir an dieser Stelle aber sagen: Die Spezialisten der KI-Szene sind sich hier hochgradig uneins. Allerdings ist Führung mit Künstlicher Intelligenz selbst bei Google noch kein Thema.

Heute wird von Führungskräften erwartet, dass sie ihre Organisation entscheidend verändern, um deren Zukunftsfähigkeit sicherzustellen. Da niemand genau weiß, wie dafür eine Musterlösung aussieht, wird vieles ausprobiert. Wir Design Thinken, sind disruptiv, agil, kooperieren mit Start-ups und managen „im Hipster-Modus“. Einerseits wird darauf hingewiesen, dass wir unser Leben effizienter gestalten könnten, wenn technische Hilfsmittel unsere Intuitionen ablösen. Andererseits wird befürchtet, dass einige unserer menschlichen Qualitäten (Kreativität, Liebe, Autonomie) leiden, wenn wir unser Leben zunehmend Algorithmen unterwerfen.

Wir leben schon heute mit „Künstlichen Führern“

Wird etwas Technisches auftauchen, dem wir Menschen die Legitimation geben, uns zu leiten? Und ist es vorstellbar, dass eine Künstliche Intelligenz ggfs. sogar unbemerkt die Führung übernimmt? Aus einer sehr pragmatischen Sicht müssen wir beide Fragen bejahen. Lassen wir uns nicht schon jetzt von Navigationsgeräten und unsichtbar arbeitenden Algorithmen lenken. Im ersten Fall haben wir das Gerät wenigstens legitimiert, im zweiten Fall – z.B. bei Einkaufsentscheidungen – leben wir verblüffend bereitwillig mit Manipulationen.

Es lässt sich nicht ignorieren, dass unsere Art bisher immer alle zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten genutzt hat, um ihre Ziele zu verfolgen und Aufgaben zu erledigen.

Führung mit Künstlicher Intelligenz

Wie wir Menschen in Bezug auf das Thema Führung mit der begonnenen Entwicklung umgehen werden, ist aus unserer Sicht davon abhängig, in welchem Ausmaß wir davon profitieren: Ist ein technisches System in der Lage, die uralte Hauptaufgabe der Führung zu erfüllen („Dafür sorgen, dass es gemeinsam funktioniert“)? Sicherlich ist das bis zu einem bestimmten Punkt der Fall.

Skeptischer sind wir bei der Frage, ob ein solches System uns attraktive Zukunftsangebote machen kann. Auf die Frage „Wo komme ich hin, wenn ich dir folge?“ wird es wohl in absehbarer Zeit keine Antwort mit breiter Sogwirkung liefern.

Unsere Zukunft hängt von wirksamer Führung ab

Nun sind wir Menschen allerdings selbst auch nicht sonderlich gut darin, Zukunft zu gestalten. Wir lieben es bequem und ungestört, machen gern einfach „unser Ding“. Erst bei akutem Leidensdruck stellen wir Gewohnheiten infrage. Klimakatastrophe? Ist doch schön, wenn es etwas wärmer wird. Weltweite Vermüllung? Hauptsache, mein Stadtteil ist sauber. Kulturwandel? Es war doch nicht alles schlecht. Die reine Vernunft vermag offenbar keine wesentliche Richtungsänderung einzuleiten.

Und nun stellen wir uns einmal vor, einer KI würde dies gelingen. Wollen wir ihr folgen? Oder provokanter: Könnten wir es uns erlauben, dies nicht zu tun?

Alphabet/ Google, das Vorzeigeunternehmen der modernen Welt überhaupt, kommt im großangelegten „Projekt Oxygen“ zum Ergebnis: Ja, Führung macht einen Unterschied. Und Führung wird gebraucht. Die Ergebnisse dieser gigantischen Feldstudie „…stellen traditionelle Vorstellungen und Bilder von Führung nicht infrage. Im Gegenteil.“ Verblüffend, dass Google dann uns und den eigenen Führungskräften – in geradezu digital-archaischer Form – nur Dokumente zum Thema anbietet.

 

  • Alznauer, M, Lesaar, V.: Das evolutionäre Führungsmodell, 2020
  • Ayberk, E.-M., Kratzer, L., Linke, L.-P.: Weil Führung sich ändern muss, 2018
  • Brockmann, John (Hrsg.): Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten?, 2017
  • Hölzner, H., Nicolai, A.: Managen im Hipster-Modus, in OrganisationsEntwicklung 1/18
  • Ross, Alec: Die Wirtschaftswelt der Zukunft, 2016
  • Zweig, K.: Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl, 2019

 

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