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Bild Führungsstile

 

Sie können es sich leicht machen: Authentisch führen? Super wichtig! Und direkt sind Sie in der beruhigenden Gemeinschaft vieler Manager, Geführten, Trainer und Autoren. „Sei authentisch“ ist nicht nur eine weit verbreitete Empfehlung, sondern oft geradezu eine moralische Forderung. Hier schwingt der Wunsch nach Ehrlichkeit und Verlässlichkeit mit, nach wahrhaftigen Begegnungen, faszinierender Ausstrahlung und innerem Frieden.
Allerdings gibt es ein Problem: Dieser Appell geht am Wesentlichen der Führung vorbei.

Es sind zumeist die Mächtigen unter uns, die Authentizität als Basis ihres Erfolges beschreiben. Provokant gesagt: Das ist Unsinn!
Leistung, Qualität, gute Beziehungen und andere Machtquellen waren die Grundlagen ihrer Karrieren. Danach konnten sie es sich erlauben, den eigenen Gewohnheiten freien Lauf zu lassen. Das fühlt sich gut an, – und wir würden das auch gerne tun. Dieses Gefühl mit dem Begriff Authentizität zu beschreiben, kann auch niemand verbieten. Allerdings könnte man es ebenso oft auch Willkür oder fehlende Disziplin nennen.

Sich selbst authentisch fühlen

Möchten wir nicht alle mit uns und der Welt im Reinen sein? Wir wollen die eigene Persönlichkeit nicht verbiegen und weiterhin „in den Spiegel schauen können“. Oftmals bedeutet das allerdings schlicht: Wir wollen so bleiben, wie wir sind! Zitat Tausender von Seminar-Teilnehmern: „Das passt nicht zu mir. So bin ich einfach nicht. Ist will doch authentisch bleiben.

Zum NachdenkenWürden Sie diese Haltung auch einer frustrierten Servicekraft in Ihrem Lieblingscafé, einem sadistischen Chirurgen oder unerfahrenen Piloten zugestehen?

Sich mit dem eigenen Verhalten wohlfühlen zu wollen, ist ein verständliches Anliegen. Wenn wir dieses Gefühl als Maßstab nehmen, wird allerdings die persönliche Weiterentwicklung schwierig.

Wechseln wir die Perspektive: Es ist eine Sache, inwieweit Sie sich selbst als authentisch erleben. Eine ganz andere, ob Sie von anderen Menschen als authentisch wahrgenommen werden!

Als authentisch erlebt werden

Was bedeutet es, wenn jemand von Ihnen mehr Authentizität einfordert? Warum möchten Mitarbeiter*innen, dass Sie “authentisch führen”? Vielleicht paradoxer Weise sogar in einem Moment, in dem Sie mit sich und der Welt völlig im Reinen sind. Was will Ihr Gegenüber dann eigentlich?

Etwas zugespitzt formuliert: Dieser Mensch will Sie berechenbarer! Ihrem Gegenüber ist es dabei egal, wie Sie „in Wahrheit“ sind oder wie Sie sich selbst fühlen. Auch Ihr Verständnis von Authentizität ist ihm völlig gleichgültig. Für ihn ist Ihr Verhalten zu mehrdeutig, widersprüchlich und verunsichernd. Er fragt sich vermutlich, ob er Ihnen vertrauen kann. Gerade wenn Sie ihm gegenüber in einer Machtposition sind.

Authentisch führen

Warum geht nun der so verbreitete Aufruf zu mehr Authentizität am Wesentlichen der Führung vorbei? Schauen wir auf andere Berufe: Erwarten wir nicht z.B. von Köchen, Busfahrern, Beratern oder Schalterbeamten, dass sie das tun, was in ihrem Job zum Erfolg führt? Unabhängig davon, ob es ihnen gefällt oder wie es ihnen dabei gerade geht. Zurecht wollen wir davon ausgehen können, dass sie ihre Aufgabe erfüllen. Dafür sind sie ja auch angetreten und werden bezahlt. Warum legen wir die Messlatte an die Professionalität von Führungskräften niedriger? Der Wunsch nach einem authentischen Gefühl im Berufsalltag lässt sich mit den Aufgaben eines Profis nicht immer vereinbaren.

Zum Nachdenken:  Würden Sie im Ernstfall gerne etwas über die fachliche Qualität eines Zahnarztes erfahren – oder mit ihm lieber über seine subjektiven Ansichten zum Gesundheitssystem philosophieren? Und wissen Sie irgendetwas über das Selbstverständnis der Ingenieure, die Ihr Auto konstruiert haben?

Die Forschungen zur sogenannten „Authentischen Führung“ liefern nicht zufällig nur magere Ergebnisse. Im Prinzip macht dieser Ansatz keinen echten Sinn.

Was Sie tun sollten

Allerdings können wir aus unseren Überlegungen ein paar praktische Tipps für Ihren Führungsalltag ableiten:

  1. Konzentrieren Sie sich vor allem darauf, die Ihnen anvertrauten Menschen als Gemeinschaft zum Erfolg zu bringen. Denn das ist die absolute Kernaufgabe der Führung. Tun Sie das, was dazu nötig ist, – sofern es nicht gegen persönliche oder gesellschaftliche Normen verstößt!
  2. Achten Sie durchgängig darauf, sich in Ihrer Rolle widerspruchsfrei, berechenbar und vertrauenswürdig zu verhalten. Dazu müssen Sie nicht gleich ein Roboter werden.
  3. Während Ihrer eigenen Entwicklung werden Sie sich dabei immer wieder einmal unwohl bzw. weniger authentisch fühlen. Lassen Sie sich davon nicht irritieren.

Zugespitzt könnte man sagen: Kopieren Sie einfach Profis, bis Sie selbst einer geworden sind. Sobald Sie die Erfolgsprinzipien der Führungsaufgabe verinnerlicht haben, fühlt sich Ihr Verhalten wieder authentisch an.

Also: Lassen Sie uns Führung weiter entmystifizieren! Zu viele psychologische Facetten in den Vordergrund zu stellen, kann vom Wesentlichen ablenken.

 

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