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Bild Führungskraft mit Roboter

„Ist Ihr Gegenüber eine KI oder eine Führungskraft aus Fleisch und Blut?“, so könnte die Frage eines abgewandelten Turing-Tests lauten. Ob wir nach bestandenem Test die Verantwortung für unsere Organisationen und unsere Zukunft an eine Künstliche Intelligenz abgeben würden, erscheint uns fraglich. Fairerweise müssen wir aber sagen: Die Spezialisten der KI-Szene sind hier hochgradig uneins.

Von Führungskräften wird heute erwartet, dass sie ihre Organisation entscheidend verändern, um deren Zukunftsfähigkeit sicherzustellen. Da niemand genau weiß, wie dafür eine Musterlösung aussieht, wird vieles ausprobiert: wir Design Thinken, sind disruptiv, agil, kooperieren mit Start-ups und managen „im Hipster-Modus“.

Einerseits können wir unser Leben effizienter gestalten, wenn wir technische Hilfsmittel nutzen. Andererseits wird befürchtet, dass einige unserer menschlichen Qualitäten leiden, wenn wir unser Leben zunehmend Algorithmen unterwerfen. Aufgehalten haben solche Sorgen den menschlichen Entwicklungsdrang bisher allerdings nie.

Wir leben schon heute mit “Künstlichen Führern”

Werden wir einer Programmierung erlauben, uns zu führen? Ist es gar vorstellbar, dass eine Künstliche Intelligenz unbemerkt die Leitung übernimmt? Aus einer sehr pragmatischen Sicht müssen wir beide Fragen bejahen.

Lassen wir uns nicht schon jetzt von Navigationsgeräten und unsichtbar arbeitenden Algorithmen lenken. Im ersten Fall haben wir das Gerät wenigstens dazu legitimiert, im zweiten Fall – z.B. bei Einkaufsentscheidungen – leben wir verblüffend bereitwillig mit Manipulationen.

Es lässt sich nicht ignorieren, dass wir Menschen bisher immer alle zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten genutzt haben, um unsere Ziele zu verfolgen und anstehende Aufgaben zu erledigen.

Führung mit Künstlicher Intelligenz

Für unsere Akzeptanz reicht es offenbar, wenn eine Technik für uns ein handfestes Problem löst. Macht sie unser Leben dabei auch noch bequemer, gibt es kaum ein Halten.

Die spannende Frage lautet also für uns: Könnten Algorithmen die uralte Hauptaufgabe der Führung erfüllen, „dafür zu sorgen, dass es gemeinsam funktioniert“? Ja, das könnten sie. Zumindest bis zu einem bestimmten Punkt.

Skeptisch dürfen wir bleiben, ob ein solches System uns attraktive Zukunftsangebote machen kann. Auf die Frage „Wo komme ich hin, wenn ich dir folge?“ wird eine KI wohl in absehbarer Zeit keine Antwort mit breiter Sogwirkung liefern.

Unsere Zukunft hängt von wirksamer Führung ab

Nun sind wir Menschen allerdings selbst auch nicht sonderlich gut darin, Zukunft zu gestalten. Wir lieben es bequem und ungestört, machen gern einfach „unser Ding“. Erst bei akutem Leidensdruck stellen wir Gewohnheiten infrage. Klimakatastrophe? Ist doch schön, wenn es etwas wärmer wird. Pandemie? Also hier bei uns ist keiner krank. Weltweite Vermüllung? Hauptsache, mein Stadtteil ist sauber. Kulturwandel? Es war doch nicht alles schlecht.

Die reine Vernunft vermag offenbar keine wesentliche Richtungsänderung einzuleiten. Was wäre, wenn das einer KI gelänge? Würden wir ihr folgen? Oder provokanter: Könnten wir es uns erlauben, dies nicht zu tun?

  • Alznauer, M, Lesaar, V.: Das evolutionäre Führungsmodell, 2020
  • Ayberk, E.-M., Kratzer, L., Linke, L.-P.: Weil Führung sich ändern muss, 2018
  • Brockmann, John (Hrsg.): Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten?, 2017
  • Hölzner, H., Nicolai, A.: Managen im Hipster-Modus, in OrganisationsEntwicklung 1/18
  • Ross, Alec: Die Wirtschaftswelt der Zukunft, 2016
  • Zweig, K.: Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl, 2019
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